Digitale Kulturen sind von Metaphern durchzogen. Wir bewegen uns durch „Portale“, speichern Daten in der „Cloud“, folgen „Feeds“ und „Streams“, arbeiten auf „Plattformen“, betrachten Informationen auf „Dashboards“, interagieren mit „Desktops“ und „Fenstern“ und sprechen von „Netzwerken“, „Ökosystemen“, „digitalen Zwillingen“ oder „Profilen“. Solche Begriffe beschreiben digitale Technologien nicht lediglich nachträglich. Sie strukturieren, wie digitale Systeme vorgestellt, gestaltet und benutzt werden und welche Möglichkeiten des Handelns sie ihren Nutzer:innen nahelegen.
Das forschungsorientierte Seminar untersucht Metaphern deshalb als epistemische, operative und gestalterische Elemente digitaler Kulturen. Anhand ausgewählter Begriffe wie Portal, Cloud, Plattform, Feed, Stream, Dashboard, Desktop, Fenster, Netzwerk, Ökosystem, digitaler Zwilling oder Profil wird danach gefragt, welche Vorstellungen und historischen Bezugssysteme in digitalen Medien fortbestehen und wie Metaphern in Interfaces und Interaktionsformen übersetzt werden. Damit verbindet das Seminar medien- und kulturwissenschaftliche Perspektiven mit Fragestellungen der Interface Studies und der Human-Computer Interaction (HCI): Wie organisieren Metaphern den Zugang zu komplexen technischen Prozessen? Welche Handlungsmodelle schreiben sie in Interfaces ein? Und wo geraten etablierte Metaphern angesichts neuer digitaler Technologien an ihre Grenzen?
Das Seminar ist forschungsorientiert angelegt. Neben der gemeinsamen Lektüre theoretischer und historischer Arbeiten werden konkrete digitale Gegenstände und Interfaces analysiert und eigene Fragestellungen entwickelt. Als Studienleistung werden die regelmäßige und aktive Teilnahme, die vorbereitende Lektüre der für die einzelnen Sitzungen vorgesehenen Texte und die Übernahme eines Referats erwartet.
- Dozent/in: Christoph Borbach