
Ende des 20. Jahrhunderts konnte Gottfried Böhm noch ohne Vorbehalte fragen: Was ist ein Bild? (München 1994). Im 21. Jahrhundert stellt sich, so meine These, eher die Frage „Was waren Bilder?“ Sie ist inspiriert vom Buchtitel des Medienwissenschaftlers Claus Pias Was waren Medien? (Berlin 2011) und natürlich eine Provokation: Insinuiert sie doch, dass Bilder, die wir seit der Höhlenmalerei kennen, der Vergangenheit angehören. So aber ist der Seminartitel durchaus gemeint. Vorbereitet durch die Bildexplosion und beliebige Modellierbarkeit im digitalen Raum, lassen endgültig die KI-Bildmaschinen die Frage plausibel erscheinen, ob es sich dabei überhaupt noch um Bilder im strengen Sinne handelt – ohne dass wir freilich schon wüssten, wie wir die neuen Artefakte jenseits des Bildbegriffs nennen sollen.
Die Frage „Was waren Bider?“ bildet den roten Faden des Seminars und lädt uns dazu ein, (nostalgisch) zurückzuschauen auf die lange Kulturgeschichte des Bildermachens: In jeder Seminarsitzung wird daher ein exemplarisches Bild gründlich betrachtet – sei es gemalt, fotografiert, aus Film, TV oder Video stillgestellt, Computer- oder KI-generiert.
Was also sehen wir (noch) am Anfang vom Ende der Bilder? So lautet das Unterrichtsziel des Seminars.
- Dozent/in: Michael Lommel
- Dozent/in: Jan Ole Mörbitz
- Dozent/in: Johanna Schroers

Der Vampir ist vielleicht der Mythos der Moderne schlechthin. Dienen Graf Dracula und Vampire doch als Projektionsfiguren unterschiedlicher Zuschreibungen. Neben den Gespenstern (bzw. Geistern) und den Zombies sind sie die dritte maßgebliche Gruselgestalt, die Kunst und Populärkultur mit unzähligen Varianten beliefert.
Im Seminar gehen wir von Bram Stokers Dracula-Roman (1897) aus, in den bereits Versatzstücke von Legenden und Mythen eingeflossen sind. Der Roman wiederum diente zahlreichen Autoren, Regisseuren und Serienmachern als Vorlage für Romane, Verfilmungen, Remakes und Serien (TV-Serien und seit den 2000ern auch Webserien).
Die ersten – stilbildenden – Meisterwerke stammen noch aus der Stumm- und frühen Tonfilmzeit: Murnaus Nosferatu (1922) und Dreyers Vampyr (1932). Große Regisseure haben sich bis heute an dem Stoff abgearbeitet, etwa Francis Ford Coppola, Neil Jordan, Roman Polanski, Jim Jarmusch, Luc Besson, Werner Herzog u.v.a. – bis hin zur deutschen Serie Oderbruch (2024 und 2026).
Im Zentrum des Seminars steht der Versuch, den Kern, das narrativen Grundmuster des Stoffs zu erarbeiten, um damit die filmischen und seriellen Varianten abzugleichen: Wie und weshalb weichen Regisseure vom Grundmuster ab, wie und warum erzählen sie den Stoff nah oder fern vom „Original“? Welche Schwerpunkte oder Akzente setzen sie? Was interessiert sie im Einzelnen am Grafen Dracula und an den Blutsaugern? Mit welchen filmischen und erzählerischen Mitteln vergegenwärtigen sie den Stoff in ihrer jeweiligen Zeit? Deuten sie ihn metaphorisch, intermedial, zwischen Sex und Gender, psychologisch, existenzialistisch, ironisch oder – wie schon Murnau – medienreflexiv (weil das Kino als lichtscheues Medium über sich selbst nachdenkt), erotisch, topografisch, gesellschafts-, kulturkritisch oder diskursgeschichtlich (Medizin, Seuche, Ansteckung)?
Nicht zuletzt aufgrund der Beliebtheit des Vampirs liegen inzwischen zahlreiche, oft interdisziplinär ausgespannt Studien vor, die wir tentativ einbeziehen. Der wichtigste dezidiert medienwissenschaftliche Text stammt von Friedrich Kittler (1943-2011): „Draculas Vermächtnis“ erschließen wir uns im Seminar – aufgrund seines Schwierigkeitsgrads – durch close readings.
- Dozent/in: Michael Lommel
- Dozent/in: Jan Ole Mörbitz
- Dozent/in: Johanna Schroers

Das Masterkolloquium 9.1 (= Teil 1) widmet sich den ersten Schritten, die zur Masterarbeit hinführen. Im Zentrum der gemeinsamen Kolloquiumsarbeit steht dabei zunächst die Themenfindung. Es geht um die Formulierung, den (Arbeits-)Titel und die Konturierung des Themas. Daraus ergibt sich die Problemstellung der Masterarbeit: Wie lautet die genaue Untersuchungsfrage? Welches Erkenntnisinteresse wird mit der Arbeit verfolgt? Welche Methode(n) werden dabei zugrunde gelegt? Im dritten Arbeitsschritt fragen wir nach den Grenzen und Implikationen des Themas: Wie lässt sich das Thema eingrenzen (Fokussierung), und wie lässt es sich in der Forschungslandschaft – etwa von Nachbardisziplinen – abgrenzen (Erkenntnisrahmen)?
Abschließend werden stilistische Anregungen und Ratschläge vermittelt, d.h. Maßgaben zur Kunst des (wissenschaftlichen) Schreibens und der Befleißigung dessen, was „gutes Deutsch“ ausmacht.
Hinweis: Die Erstellung eines Exposés und die formale Gestaltung (Stylesheet) sind nicht Teil dieses Propädeutikums, sondern werden im Kolloquium Teil 2 (= Modul 9.2, angeboten in diesem Semester von Herrn Prof. Dr. Thielmann) vermittelt.
- Dozent/in: Michael Lommel
- Dozent/in: Jan Ole Mörbitz
- Dozent/in: Johanna Schroers

Das Forschungsseminar Figurationen, Spuren, Passagen: Synästhetische Raumerschließung befasst sich mit Künsten und Kartierungen der Bewegung im Raum. Es verbindet Theorie und Praxis der Fortbewegung und Entschleunigung, der Wege und Umwege, Orte und Nicht-Orte, roads taken wie roads not taken (Robert Frost) sowie produktive Verirrungen im Stadtraum Siegen.
„Hodologie (griech. hodos, „Weg“) heißt die Lehre von Wegen, Pfaden und Verbindungen. Sie untersucht die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt – eine Beziehung, die sich beim Gehen besonders entfaltet. Im Forschungsseminar absolvieren Projektgruppen in der Siegener Innenstadt medienkünstlerische Aufgabenstellungen. Inspiriert ist unser Seminar von Foucaults berühmtem Aufsatz über die Heterotopien (Nicht-Orte) und Benjamins Passagen-Werk. Zur Vorbereitung, Durchführung, Präsentation und Auswertung bedienen wir uns diverser Tools und Medien(-Techniken) der Kartierung, Aufzeichnung und Datenverarbeitung (Kompass, Foto- und Videografie, Voice-Tagebuch, Stadtpläne und Straßenverzeichnisse, Google-Maps etc.).
Unsere Ausgangsfragen lauten: Wie / womit /was erzählt der Raum? Wie verändert der Entzug unserer wichtigsten Sinne (Sehsinn, Gehör) unser Bild von der Welt um uns herum? Wie orientieren wir uns? Es geht um synästhetische Parameter mittels Kombination oder Substitution der Sinne. Sog. ,Hyper-Bindings‘ zwischen den Einzelsinnen sind bei uns allen zumindest angelegt (nicht nur bei genuinen Synästhetikern). Das Erkenntnisinteresse richtet sich im Seminar auf synästhetische Prozesse, die eine physiologische und mediale Dimension haben. Dabei werden v.a. Potenziale und Grenzen der Vermittlung aufgezeigt (in der ursprünglichen lat. Bedeutung ist medium das Vermittelnde), aber auch grundsätzliche Überlegungen angestellt zur Einbildung von „Atmosphären“ (Gernot Böhme).
Ein Ausblick auf VR-Welten im Cyberspace und Tech-Utopien wie Gehirn-Implantate, die in Elon Musks Neuralink-Laboren gerade entwickelt werden, Fragen nach der Zukunft multisensorischer Simulationen also, runden das Seminar ab.
- Dozent/in: Michael Lommel
- Dozent/in: Jan Ole Mörbitz
- Dozent/in: Johanna Schroers