
- Dozent/in: Bettina Freund
- Dozent/in: Hanns Christian Schmidt
- Dozent/in: Michael Zimmermann

Als Henry Jenkins 2006 seine einflussreiche Studie Convergence Culture veröffentlichte, schien die Zukunft der Medien klar: Partizipationskultur würde die alten Hierarchien zwischen Produzent:innen und Konsument:innen auflösen. Fans würden zu Prosumern, das Internet zum demokratischen Spielplatz. Zwanzig Jahre später sieht die Realität anders aus: Plattformen wie YouTube, TikTok und Roblox haben Partizipation nicht demokratisiert, sondern monetarisiert. Aus kreativer Teilhabe wurde unbezahlte Arbeit.
Dieses Seminar zeichnet die Transformation von Partizipationskultur zu Plattformgesellschaft (van Dijck et al. 2018) kritisch nach. Wir fragen: Wie wurde aus dem Versprechen auf Teilhabe ein System der Extraktion? Welche Rolle spielen Dark Patterns – manipulative Designstrategien – bei der Einhegung von Nutzer:innenverhalten? Und was bedeutet es, wenn Braxton Soderman von ludischem Kapitalismus spricht?
Ein besonderer Fokus liegt auf den Arbeiten von C. Thi Nguyen, dessen Konzept des Value Capture erklärt, wie Plattformen unsere Werte vereinfachen und quantifizieren – von Follower-Zahlen bis zu Robux. Nguyen zeigt, wie Gamification nicht nur Spiele, sondern auch soziale Medien, Bildung und Politik durchdringt.
Das Seminar endet nicht bei der Kritik. Im letzten Teil fragen wir nach Alternativen: Gibt es ethisches Game Design? Was sind Radiant Patterns als Gegenentwurf zu Dark Patterns? Und wie könnte eine responsable (Donna Haraway) Spielkultur aussehen, die Partizipation ermöglicht, ohne sie kommerziell auszubeuten?
- Dozent/in: Hanns Christian Schmidt

Im zweiten Modulelement der Einführung in die Medienwissenschaft werden weitere Ansätze und Debatten der Medienwissenschaft vermittelt und diskutiert, insbesondere solche, die sich mit Intermedialität oder Medienkonvergenz sowie digitalen Medien befassen (wie etwa: Transmedia Storytelling). Die Lektüre wird durch Schreibübungen ergänzt. Dadurch und zusätzlich werden weitere Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens, wie zum Beispiel das Präsentieren oder das Zitieren, vermittelt und zunehmend medienwissenschaftlich reflektiert. Gegen Ende des Semesters wird die von Studierenden zu verfassende Hausarbeit weiter vorbereitet und mit Bezug auf die neu erlernten Ansätze gegebenenfalls aktualisiert. (Als Lektüregrundlage beider Seminare dienen kanonische Texte, die unter den Lehrenden abgesprochen und regelmäßig aktualisiert werden.)
- Dozent/in: Hanns Christian Schmidt

Was haben Fröbels Holzwürfel aus dem 19. Jahrhundert mit den digitalen Blöcken von Minecraft gemeinsam? Warum bauen Millionen von Kindern virtuelle Welten in Roblox – und wer profitiert davon? Dieses Seminar untersucht Blocksysteme als materielle Infrastrukturen des Spielens und fragt, wie sich pädagogische Intentionen, kommerzielle Interessen und kindliche Kreativität in ihnen verschränken.
Ausgehend von Brian Sutton-Smiths Theorie der Ambiguität des Spiels und Seth Giddings’ Toy Theory (2024) verfolgen wir eine Genealogie konstruktiver Spielzeuge: von Fröbels Gaben über Lego Serious Play bis zu den User-Generated-Content-Plattformen der Gegenwart. Dabei zeigt sich, dass Blocksysteme niemals neutral sind – sie sind immer schon eingebettet in das, was Ulrike Bergermann Gefüge mit Gewalt nennt: Netzwerke von Macht, Arbeit und Extraktion.
Ein zentrales Fallbeispiel des Seminars ist die Plattform Roblox: Eine Plattform, auf der Kinder nicht nur spielen, sondern auch Spiele für andere Kinder entwickeln – oft unter Bedingungen, die an historische Formen der Kinderarbeit erinnern. Mit Sara Grimes’ Digital Playgrounds (2021) und der investigativen Dokumentation von People Make Games analysieren wir, wie ludischer Kapitalismus (Braxton Soderman) funktioniert.
Das Seminar mündet in die Frage nach einer kritischen Game Literacy: Wie können wir – als Medienwissenschaftler:innen, als Eltern, als Pädagog:innen – die Mechanismen digitaler Spielplattformen verstehen und sichtbar machen? Welche Werkzeuge brauchen wir, um Dark Patterns zu erkennen, Value Capture zu durchschauen und Alternativen zu denken?
- Dozent/in: Hanns Christian Schmidt
Das Seminar gibt einen Einblick in kulturwissenschaftliche Analysen und thematisiert die Erforschung von Naturen-Kulturen, bzw. mehr-als-menschlichen Beziehungen. Im Mittelpunkt stehen dabei ethnographische Methoden als ein relevantes Methodeninstrumentarium für die Medienwissenschaften.
- Dozent/in: Lene Faust

In den vergangenen Jahrzehnten haben technische Innovationen, die zunehmende Mediatisierung unseres Alltags und die ökonomischen Interessen großer Konzerne eine hochgradig vernetzte Medienlandschaft geschaffen. Eine der Auswirkungen dieser technischen wie kulturellen Medienkonvergenz lässt sich dabei in der stetig zunehmenden Verbreitung transmedialer Angebote finden, innerhalb derer Geschichten, Figuren, Erzählwelten und sogar narrative Universen und Paralleluniversen über Mediengrenzen hinweg dargestellt werden. Zwar handelt es sich bei der transmedialen Darstellung von Geschichten, Figuren und Welten durchaus nicht um ein völlig neues Phänomen, wie etwa religiöse und rituelle Darstellungen belegen. Dass es hier aber einen - zumindest graduellen - Wandel sowohl in der Quantität als auch in der Qualität transmedialer Angebotskonstellationen gegeben hat, ist kaum zu übersehen und inzwischen zu einem in ganz unterschiedlichen Kontexten aufrufbaren Topos geworden. Dabei erhärtet sich häufig der Eindruck, dass es sich bei diesen Filmen, Serien und Games um reine Massenware handelt, die wie am Fließband produziert wird – und denen deshalb lediglich eine ökonomische, bestenfalls zerstreuende Funktion zukommt. Das Seminar begibt sich jedoch auf die Suche nach dem pädagogischen Potential, das sich in diesen großen Erzählwelten verbirgt. Neben einer gemeinsamen Lektüre von Texten zum Thema Transmedia Storytelling und Worldbuilding untersuchen wir dabei exemplarisch mehrere Fallstudien, die gesellschaftliche und politische Themen in ihrem Subtext, in ihren Kontexten oder auch ganz offensiv verhandeln.
- Dozent/in: Hanns Christian Schmidt

“If I throw a ball at you I don't expect you to drop it and wait until it starts telling stories.” Mit diesen polemischen Worten führte Markku Eskelinen im Jahr 2001 eines der meistzitierten Argumente in eine teils emotional geführte Diskussion ein, die auch heute noch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit digitalen Spielen prägt. Es geht um die sogenannte ‘Ludologie vs. Narratologie’-Debatte, einen vielbeschworenen Gründungsmythos der damals noch jungen Disziplin der Game Studies. Das Seminar zielt darauf ab, diese historische Debatte aus heutiger Perspektive nachzuvollziehen. Dabei werden die Teilnehmenden des Seminars dazu angeregt, die Dynamik zwischen erzählerischen und spielerischen Elementen in digitalen Medien zu reflektieren und zu untersuchen, inwiefern sich diese Unterscheidung innerhalb einer bestimmten Wissenschaftscommunity manifestiert. Ziel ist zum einen eine Sensibilisierung für den Gegenstand selbst: Es soll ein vertieftes Verständnis dafür entwickelt werden, wie Geschichten in digitalen Umgebungen konstruiert, erlebt und beeinflusst werden können. Darüber hinaus soll exemplarisch aufgezeigt werden, wie sich Beobachtungen dieser Art in (hochschul-)politischen Positionen niederschlagen und Argumente rund um die Diskussion von Computerspielen als Kulturgut hervorbringen.
Neben der Lektüre exemplarischer Texte aus der ‘Ludologie vs. Narratologie’-Debatte und der Analyse entsprechender Fallstudien werden die Studierenden lernen, wie digitale Spiele und Erzählungen konzipiert sind, welche Rolle Interaktivität spielt und wie diese Medien genutzt werden können, um komplexe Themen und Perspektiven zu vermitteln. Die Teilnehmenden werden dazu angehalten, sowohl die technischen als auch die inhaltlichen Aspekte digitaler Erzählformate zu verstehen, kritisch zu hinterfragen und die pädadogischen Konsequenzen aus diesen Beobachtungen zu erfassen.
Ferner ist eine Portfolio-Übung geplant, bei der die Studierenden selbstständig ein narratives Artefakt gestalten und als Studienleistung am Ende des Semesters aus- und vorgestellt werden soll. Mehr dazu im Seminar selbst!
- Dozent/in: Hanns Christian Schmidt
