Daten sind eine grundlegende Voraussetzung digitaler Kulturen. Plattformen erfassen Interaktionen, Smartphones und Wearables registrieren Körper und Bewegungen, Sensoren vermessen Umwelten und algorithmische Systeme verarbeiten Daten zu Klassifikationen, Prognosen und Entscheidungen. Doch Daten sind nicht schlicht gegeben: Sie werden erzeugt, ausgewählt, formatiert, infrastrukturell verarbeitet und in spezifischen Kontexten wirksam. Mit dem Begriff der Datafizierung lässt sich untersuchen, wie immer weitere Bereiche des Alltags in Daten übersetzt und dadurch auf neue Weise beobachtbar, vergleichbar und operationalisierbar werden.
Das Seminar führt aus medienwissenschaftlicher Perspektive in die Critical Data Studies ein. Zentrale Begriffe wie Daten, Datafizierung, Infrastruktur, Plattform, Algorithmus, Interface und Sensor werden nicht vorausgesetzt, sondern im Verlauf des Seminars gemeinsam erarbeitet und anhand konkreter Beispiele diskutiert. Neben den technischen und infrastrukturellen Bedingungen der Datenerzeugung geht es um deren gesellschaftliche und politische Dimensionen: Wer erzeugt Daten, wer kann auf sie zugreifen, welche Formen von Wissen entstehen aus ihnen, was ist Datenarbeit – und wie lassen sich datenbasierte Prozesse kritisch untersuchen oder durch alternative und widerständige Praktiken irritieren?
- Dozent/in: Christoph Borbach