Dieses Einführungsseminar stellt einige grundlegende Konzepte und Methoden vor, mit denen wir Musiken in ihren jeweiligen geschichtlichen Zusammenhängen erforschen können. Ausgehend von der kritischen Auseinandersetzung mit Begriffen wie Epoche, Gattung, Werk und Autorschaft, beschäftigen wir uns mit interdisziplinären Methoden aus Soziologie und Ethnographie, mit Ansätzen der Emotionsforschung, den Material Studies und dem verkörperten Wissen.

Klang ist nahezu überall, mal mehr, mal weniger präsent, aber dennoch immer um uns herum und in uns drin. Und ja, selbst die Stille klingt. Aber wie begreifen wir Klang eigentlich? Als akustische Welle, als Vibration von Luft oder Wasser, als etwas, das mir plötzlich die Tränen in die Augen treibt? 

Seit ca. zwei Jahrzehnten wird in den Sound Studies ein Verständnis von Klang als rein akustisches Phänomen in Frage gestellt: Nach Nina Sun Eidsheim (Sensing Sound, 2018) ist Klang multisensorisch und er durchdringt unseren gesamten Körper (und nicht nur das Ohr), verbindet sich mit dem uns umgebenden Raum, dem Material, den Mitspielenden. Methoden wie Deep Listening oder Sound Walks ermöglichen ein relationales In-der-Welt-Sein, eines, das auch klimatischem Wandel, Artensterben und Veränderungen unseres Lebensraums anders begegnet.

Auf der Grundlage zentraler künstlerischer Arbeiten und Texte von Salomé Voegelin, Marcel Cobussen, Nina Sun Eidsheim und Pauline Oliveros möchten wir uns diesem Neu-Denken von Klang nähern und die in den Texten aufgeworfenen Fragen durch künstlerisch-praktische Experimente reflektieren, und für unsere eigenen Lern-, Vermittlungs- und Aufführungskontexte von Musik konstruktiv machen. 


Musik und das Wissen über sie wurde seit jeher versucht festzuhalten: in Noten, Lexika, Büchern, Instrumenten, Archiven, Clouds, in der Architektur. Es wurde mündlich weitergegeben, in Gesten oder Spieltechniken verkörpert, in Lehrwerke überführt, es wurde auswendig gelernt, vorgesungen und getanzt, in Jingles verpackt, als Statue in Stein gemeißelt oder in Suchmaschinen eingespeist. Vieles ging verloren oder wurde übersehen. 

Sich mit musikbezogenem Wissen und der Frage der Speicherung zu beschäftigen, öffnet das Blickfeld nicht nur für die Musik, die gespeichert wird (oder verloren geht). Es führt uns auch zu Fragen des Speicherns und Wiedergebens an sich, zum Material auf dem gespeichert wird, zu den Akteur*innen der Musikgeschichte, die das Speichern und Erinnern (oder Vergessen) übernommen haben und letztendlich auch zum klanglich-prozesshaften Spezifikum von Musik, das sich dem Speichern zu entziehen scheint. 

In diesem Kurs beschäftigen wir uns anhand zentraler historischer und aktueller Ereignisse mit den Praktiken, Räumen, dem Material und den Akteuer*innen des Speicherns von musikbezogenem Wissen. Einen Schwerpunkt legen wir auf das Musikmachen an sich und fragen, wie das künstlerische Handeln selbst Wissen speichert. Das, was Musiker*innen tun, passiert nämlich nicht willkürlich oder als bloße Imitation, sondern ist strukturiert und wissensbasiert. Gleichzeitig entzieht sich dieses Wissen oft einer allgemeinen Überprüfbarkeit. Entscheidungen können unausgesprochen, intuitiv oder auf der Basis eines körperlichen Dialoges getroffen werden.