
Musiktheorie III – Musiktheorie durch
Songwriting und Komposition
Seminarplan | Wintersemester 2026/27
Veranstaltungsnummer: 2MU203011V
Lehrender: Jun.-Prof. Dr. Lawrence Wilde
E-Mail: lawrence.wilde@uni-siegen.de
Sprechstunde: Nach Vereinbarung
Raum: Institut Musik / Musiksaal AR-B 2311
Veranstaltungszeit: Montags, 12:00–14:00 Uhr c. t.
Kursbeschreibung
Musiktheorie III baut auf den theoretischen und kreativen Grundlagen der Veranstaltungen Musiktheorie I und II auf. Im Mittelpunkt steht die vertiefte Auseinandersetzung mit musiktheoretischen Konzepten durch Analyse, Hören, Songwriting und Komposition. Die Veranstaltung behandelt harmonische Zusammenhänge, Chromatik, tonale und modale Organisationsformen, musikalische Form, Rhythmus sowie kreative Ansätze zur musikalischen Gestaltung.
Die Studierenden beschäftigen sich mit westlicher klassischer Musik ebenso wie mit Jazz, Blues, populärer Musik, elektronischer Musik und ausgewählten musikalischen Praktiken außerhalb der westlichen klassischen Tradition. Besonderes Augenmerk liegt darauf, wie musiktheoretische Konzepte in unterschiedlichen historischen, kulturellen und stilistischen Kontexten funktionieren.
Durch analytische Übungen, praktisches Musizieren und eigene Kompositionen entwickeln die Studierenden die Fähigkeit, komplexere musiktheoretische Zusammenhänge zu erkennen, zu interpretieren und kreativ anzuwenden. Musiktheorie wird dabei als eine Vielfalt historisch und kulturell geprägter Denk- und Beschreibungsmodelle verstanden, die unterschiedliche Zugänge zum Verstehen und Gestalten von Musik ermöglichen.
Lernziele
Nach erfolgreichem Abschluss der Veranstaltung können die Studierenden:
1. Fortgeschrittene harmonische Konzepte analysieren und anwenden, darunter Septakkorde, Zwischendominanten und weitere Zwischenfunktionen, Modulation, chromatische Harmonik und erweiterte harmonische Strukturen.
2. Tonale, modale und nichtfunktionale Harmonik untersuchen und deren Verwendung in unterschiedlichen musikalischen Genres und Traditionen vergleichen.
3. Musikalische Formen erkennen und vergleichen, darunter klassische Formmodelle, Formprinzipien verschiedener Musiktraditionen und zeitgenössische Songformen.
4. Die Bedeutung von Rhythmus, Groove, Textur und Klangfarbe verstehen und deren Rolle für die musikalische Organisation und den kreativen Ausdruck erläutern.
5. Eigene musikalische Werke komponieren und arrangieren und dabei unterschiedliche harmonische, rhythmische und formale Gestaltungsmöglichkeiten einsetzen.
6. Musiktheoretische Ansätze kritisch reflektieren, ihre historischen und kulturellen Kontexte berücksichtigen und eigene kompositorische Entscheidungen begründen.
Lehr- und Lernkonzept
Die Veranstaltung verbindet die theoretische Auseinandersetzung mit Musik mit praktischen Formen musikalischer Erkundung. Dazu gehören Hören, Analyse, Musizieren, Improvisation, Songwriting und Komposition. Kurze kreative Übungen im Verlauf des Semesters ermöglichen es den Studierenden, musiktheoretische Konzepte in unterschiedlichen musikalischen Zusammenhängen anzuwenden. Die Studierenden werden ausdrücklich dazu ermutigt, ihre eigenen musikalischen Erfahrungen, Interessen und künstlerischen Perspektiven in die Veranstaltung einzubringen. Die musikalischen Beispiele stammen aus unterschiedlichen Traditionen und werden unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen historischen und kulturellen Kontexte untersucht.
Literatur und Arbeitsmaterialien
Frei zugängliches Online-Lehrbuch: Open Music Theory von Mark Gotham, Kyle Gullings, Chelsey Hamm, Bryn Hughes, Brian Jarvis, Megan Lavengood und John Peterson.
https://viva.pressbooks.pub/openmusictheory/
Weitere Materialien:
· Notenpapier (DIN A4).
· Zugang zu einem Notensatzprogramm (z. B. MuseScore oder Sibelius) oder einer Digital Audio Workstation (DAW), beispielsweise Ableton Live, GarageBand oder Reaper.
· Zugang zu einem Keyboard, Klavier oder einem anderen Musikinstrument zum Üben und Komponieren.
· Zusätzliche Texte, Aufnahmen und Partituren werden im Laufe des Semesters bereitgestellt.
Kostenlose Notensatzsoftware: https://musescore.org/en
Semesterplan
Einheit 1: Harmonik in unterschiedlichen musikalischen Praktiken
Woche 1: 12. Oktober 2026 | Dominantseptakkorde in unterschiedlichen Musiktraditionen
D Dominantseptakkorde, Umkehrungen, Stimmführung und Auflösung. Vergleichende Betrachtung ihrer Verwendung in der westlichen klassischen Harmonielehre, im Blues und im Jazz.
Woche 2: 19. Oktober 2026 | Diatonische Septakkorde und harmonische Klangfarben
Diatonische Septakkorde, harmonische Funktionen, Quintfallsequenzen, Akkordvoicings und harmonische Klangfarben in klassischer Musik, Jazz und populärer Musik.
.
Woche 3: 26. Oktober 2026 | Chromatik und Zwischenfunktionen
Zwischendominanten, Zwischenleittonakkorde, Tonikalisierung, chromatische Harmonik und Reharmonisierung.
Einheit 2: Tonalität, Modalität und harmonische Bewegung
Woche 4: 2. November 2026 | Funktionale und nichtfunktionale Harmonik
Harmonische Funktionen, modale Harmonik, Trugschlüsse, harmonische Loops und tonale Organisationsformen in unterschiedlichen Musikgenres.
Woche 5: 9. November 2026 | Modulation und Tonartbeziehungen
Tonartverwandtschaften, Tonikalisierung im Unterschied zur Modulation, diatonische Modulation und Pivotakkorde.
Woche 6: 16. November 2026 | Chromatische und modale Beziehungen
Sequenzmodulation, Modulation über gemeinsame Töne und direkte Modulation; chromatische Mediantbeziehungen, erweiterte Tonartbeziehungen und modale Übergänge.
Einheit 3: Musikalische Formen in unterschiedlichen Genres
Woche 7: 23. November 2026 | Musikalische Formen
Zweiteilige und dreiteilige Formen, Rondo und Sonatenform; Wiederholung, Kontrast, Variation und thematische Entwicklung.
Woche 8: 30. November 2026 | Songwriting und Formen populärer Musik
AABA-Form, zwölftaktiger Blues, Strophe-Refrain-Strukturen, Bridges, harmonische Loops und formale Gestaltung in populärer und elektronischer Musik.
Einheit 4: Chromatik
Woche 9: 7. Dezember 2026 | Modal Interchange und der Neapolitanische Sextakkord
Entlehnte Akkorde, Modal Interchange, der Neapolitanische Sextakkord und ihre Verwendung in klassischer Musik, Jazz, populärer Musik und Filmmusik.
Woche 10: 14. Dezember 2026 | Übermäßige Sextakkorde und chromatische Stimmführung
Italienischer, französischer und deutscher übermäßiger Sextakkord; Aufbau, Stimmführung, Auflösung und chromatische harmonische Bewegung.
Woche 11: 21. Dezember 2026 | Enharmonische Umdeutung und Modulation
Enharmonische Schreibweise, verminderte Septakkorde, enharmonische Modulation, chromatische Mediantbeziehungen und harmonische Praktiken des späten 19. Jahrhunderts.
Weihnachtspause: Keine Lehrveranstaltungen am 28. Dezember 2026 und am 4. Januar 2027.
Woche 12: 11. Januar 2027 | Schriftliche Zwischenklausur (Musiktheorie)
Einheit 5: Vergleich musikalischer Systeme und Traditionen
Woche 13: 18. Januar 2027 | Musikalische Organisationsformen jenseits der Dur-Moll-Tonalität
Vergleichende Ansätze zur Organisation von Tonhöhen, Modalität, Rhythmus und musikalischer Struktur. Vertiefende Untersuchung einer ausgewählten Musiktradition außerhalb der westlichen klassischen Harmonielehre unter Berücksichtigung ihres kulturellen und historischen Kontexts.
Woche 14: 25. Januar 2027 | Kompositionsworkshop und Wiederholung I
Wiederholung von Harmonik, Zwischenfunktionen und Modulation. Präsentation kompositorischer Skizzen, gemeinsame Diskussion und gegenseitiges Feedback.
Woche 15: 1. Februar 2027 | Kompositionsworkshop und Wiederholung II
Wiederholung musikalischer Formen, Chromatik und zeitgenössischer musikalischer Praktiken. Präsentation studentischer Kompositionen und Reflexion der verwendeten musiktheoretischen Konzepte.
Ende der Lehrveranstaltung
Leistungsbewertung und Prüfungsleistungen
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Prüfungsleistung |
Gewichtung |
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Aufgaben und Übungen |
40 % |
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Schriftliche Zwischenklausur (Musiktheorie) |
30 % |
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Abschließendes Kompositionsprojekt |
30 % |
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Gesamt |
100 % |
Aufgaben und Übungen (40 %)
Die wöchentlichen Aufgaben umfassen harmonische Analysen, Stimmführungsübungen, Hörübungen, Reharmonisierungen, kurze Kompositionen sowie kreative Auseinandersetzungen mit musikalischen Formen und Strukturen.
Schriftliche Zwischenklausur (30 %)
Die schriftliche Klausur überprüft das Verständnis musiktheoretischer Konzepte, die Fähigkeit zur harmonischen und formalen Analyse sowie die Anwendung der in der ersten Semesterhälfte behandelten Inhalte.
Abschließendes Kompositionsprojekt (30 %)
Die Studierenden erstellen eine eigene Komposition oder ein Arrangement, in dem sie die im Seminar behandelten musiktheoretischen Konzepte kreativ anwenden. Die Projekte können als Instrumental- oder Vokalkomposition, Song, elektronisches Musikstück oder in einer anderen geeigneten musikalischen Form realisiert werden. Die Abgabe umfasst eine Partitur, eine Audioaufnahme oder eine digitale Projektdokumentation sowie einen kurzen analytischen Kommentar. Darin erläutern die Studierenden die verwendeten musiktheoretischen Konzepte und begründen ihre kompositorischen Entscheidungen. Bei der Bewertung stehen das musiktheoretische Verständnis, die musikalische Kohärenz sowie der Zusammenhang zwischen gestalterischen Entscheidungen und künstlerischen Absichten im Vordergrund. Die Orientierung an einem bestimmten musikalischen Stil ist dabei nicht ausschlaggebend.
Wichtige Termine und Abgabefristen
· Erste Sitzung: 12. Oktober 2026
· Schriftliche Zwischenklausur (Musiktheorie): 11. Januar 2027
· Letzte Sitzung: 1. Februar 2027
· Abgabefrist für das abschließende Kompositions- oder Analyseprojekt: 15. März 2027
- Dozent/in: Lawrence Irving Wilde