
„Was bedeutet Familie? Ist es eine Gruppe von Menschen, die miteinander verwandt sind? Oder ist es ein Freundeskreis, in dem alle dasselbe Lebensgefühl teilen? Eine Schicksalsgemeinschaft? Oder eine Gemeinschaft, die in der kreativen Zusammenarbeit entsteht?“ Diese Fragen stellt der US-amerikanische Musiker Mike D (Beastie Boys) in der gemeinsam mit dem Jüdischen Museum kuratierten Ausstellung „Mishpocha” in Frankfurt. „Mishpocha“, eine Variation des jiddischen Wortes Mischpoke (für Familie), versucht, Familie als selbstgewählte, erweiterte Familie, als kreative, mehrstimmige Gemeinschaft zu denken, die über biologische Abstammung hinausgeht.
Inspiriert von diesen Überlegungen und ausgehend von den Arbeiten von María Puig de la Bellacasa zu einer „Ethics of Care“, bell hooks zu einer „Ethik der Liebe“ oder Paul Gilroy zu einer „Politik der Erfüllung & Transfiguration“ soll es in diesem Seminar darum gehen, den Blick auf Praktiken der Für-/Sorge sowie der Liebe nicht allein auf intime, private Beziehungen zu beschränken, sondern sie als mehr-als-menschlich und sozio-ökologisch verflochten zu begreifen (Puig de la Bellacasa). Diese Praktiken werden „auf magische Weise in der Musik selbst hörbar und in den Sozialbeziehungen ihres kulturellen Gebrauchs und ihrer Reproduktion greifbar“ (Gilroy) und können trotz ihrer oftmals flüchtigen und prekären Gestalt als ein Experimentierfeld für zukünftige Formen von Gemeinschaft verstanden werden (hooks). Das Seminar verbindet theoretische Reflexion mit praktischen Elementen: Es beginnt mit einer gemeinsamen textbasierten Erarbeitung des Themas, im Anschluss daran führen die Studierenden in Kleingruppen ethnographische Übungen durch, in der sie klingende Mishpocha beobachten oder sich gar als klingende Mishpocha wahrnehmen.
- Dozent/in: Evelyn Buyken
- Dozent/in: Sophie Grygier