
Die Fischer Bücherei. Wissen, Literatur und Bestseller im Taschenbuch
Mit der 1952 gegründetenFischer Büchereientstand eine der erfolgreichsten Taschenbuchreihen der Bundesrepublik. Ihr Programm verband literarische Klassiker und Gegenwartsliteratur mit wissenschaftlichen Werken, politischen Schriften und Sachbüchern und verfolgte den Anspruch, hochwertige Bildung und Literatur einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Doch nach welchen Kriterien wurden die Titel ausgewählt? Welche Vorstellungen von Bildung, Wissenschaft und Gesellschaft standen hinter dem Programm? Und warum wurden manche Bände zu Bestsellern, während andere kaum Resonanz fanden?
Im Seminar wird die Fischer Bücherei als kultur- und wissensgeschichtliches Projekt untersucht. Ausgehend von den verlegerischen Konzepten des S. Fischer Verlags analysieren wir, wie sich das Programm zwischen 1952 und 1980 entwickelte und auf gesellschaftliche, politische und wissenschaftliche Debatten reagierte. Dabei fragen wir unter anderem, welche Themen in welchen Jahrzehnten Konjunktur hatten, wie sich das Verhältnis von Belletristik und wissenschaftlichen Publikationen veränderte und welche Rolle die Reihe für die Popularisierung von Wissen spielte.
Grundlage der gemeinsamen Arbeit ist eine vollständige Bibliografie der Fischer Taschenbücher (Erstausgaben 1952–1980), die in einem laufenden Forschungsprojekt erstellt wird. Anhand des bereits aus Archiven gewonnenen Materials werten die Studierenden bibliografische und quantitative Daten aus, interpretieren Programmstrukturen und entwickeln eigene Fragestellungen zur Geschichte des Taschenbuchs. Das Seminar verbindet damit Methoden der Literatur-, Buch- und Wissensgeschichte mit empirischer Verlagsforschung und eröffnet einen Einblick in aktuelle Forschung zur Kulturgeschichte des Lesens und der Popularisierung von Literatur und Wissenschaft.
- Dozent/in: Katharina Knorr