Die Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär wird nicht nur in Hollywood erzählt, sondern erfreut sich bereits im Spätmittelalter großer Beliebtheit. In diesem Fall geht es um einen Metzgerssohn, der sich seinen Weg auf den Thron von Frankreich bahnt und mit Muskelkraft und Charme nicht nur der jungen Prinzessin, sondern auch ihrer Mutter den Kopf verdreht.

Der Huge Scheppel ist eine von vier frühneuhochdeutschen Erzählungen, die der Gräfin Elisabeth von Lothringen und Nassau-Saarbrücken (nach 1393–1456) zugeschrieben werden und in der Forschung zuweilen noch als die frühesten deutschen Prosaromane gelten. Der Text gelangte bereits im frühen 16. Jahrhundert in den Druck und wurde zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert kontinuierlich neu aufgelegt. Damit stehen die Erzählungen nicht nur am Anfang der Entwicklung einer der prägenden Gattungen der Moderne, sondern sind auch aufgrund ihrer Position als Grenz- und Übergangstexte außergewöhnlich und spannend: Sie bewegen sich zwischen dem Französischen und dem Deutschen, zwischen Vers und Prosa sowie zwischen Mittelalter und Früher Neuzeit. Im Seminar werden wir gemeinsam die Aktualität eines frühneuhochdeutschen Textes erschließen, Spezialwissen über die französische chanson de geste-Literatur erwerben, Übersetzungsfragen diskutieren und in eine faszinierende Erzählwelt eintauchen.