
Was haben Fröbels Holzwürfel aus dem 19. Jahrhundert mit den digitalen Blöcken von Minecraft gemeinsam? Warum bauen Millionen von Kindern virtuelle Welten in Roblox – und wer profitiert davon? Dieses Seminar untersucht Blocksysteme als materielle Infrastrukturen des Spielens und fragt, wie sich pädagogische Intentionen, kommerzielle Interessen und kindliche Kreativität in ihnen verschränken.
Ausgehend von Brian Sutton-Smiths Theorie der Ambiguität des Spiels und Seth Giddings’ Toy Theory (2024) verfolgen wir eine Genealogie konstruktiver Spielzeuge: von Fröbels Gaben über Lego Serious Play bis zu den User-Generated-Content-Plattformen der Gegenwart. Dabei zeigt sich, dass Blocksysteme niemals neutral sind – sie sind immer schon eingebettet in das, was Ulrike Bergermann Gefüge mit Gewalt nennt: Netzwerke von Macht, Arbeit und Extraktion.
Ein zentrales Fallbeispiel des Seminars ist die Plattform Roblox: Eine Plattform, auf der Kinder nicht nur spielen, sondern auch Spiele für andere Kinder entwickeln – oft unter Bedingungen, die an historische Formen der Kinderarbeit erinnern. Mit Sara Grimes’ Digital Playgrounds (2021) und der investigativen Dokumentation von People Make Games analysieren wir, wie ludischer Kapitalismus (Braxton Soderman) funktioniert.
Das Seminar mündet in die Frage nach einer kritischen Game Literacy: Wie können wir – als Medienwissenschaftler:innen, als Eltern, als Pädagog:innen – die Mechanismen digitaler Spielplattformen verstehen und sichtbar machen? Welche Werkzeuge brauchen wir, um Dark Patterns zu erkennen, Value Capture zu durchschauen und Alternativen zu denken?
- Dozent/in: Hanns Christian Schmidt