
Generative KI und Large Language Models (LLMs) beherrschen seit geraumer Zeit die Schlagzeilen und die Bildungslandschaft. Sie wissen es vielleicht am besten, da auch unsere Textaufgaben zur Lebenszeitmaximierung darüber abgewickelt werden.
Was jedoch selten thematisiert wird, ist der Wert des Schreib- und Leseprozesses, der auch schon vor dem Aufstieg generativer KI kaum expliziert wurde, sowie die latenten Kosten der neuen Technologien: Texte sind im Gegensatz dazu nachhaltig, deren Lektüre schafft Resilienz und verhandelt Identität. Entsprechend wertvoll und alternativlos sind die Kompetenzen in Bezug auf deren Rezeption und Produktion. Das bedeutet aber nicht, dass wir neue Werkzeuge und Praktiken ignorieren können, die sowohl bei der Entwicklung dieser Kompetenzen helfen können als auch für problematisch erachtet werden.
Ein wichtiger Aspekt sind mögliche kulturell markierte Transformationen und Praktiken, durch die Technologien, Zugänge und deren Nutzungen auch geopolitisch verortet werden. Über Konzepte wie die „inteligencia artesanal“ wird die Nutzung und Bewertung KI-generierter Erzeugnisse kulturell gerahmt und mit entsprechenden Konzepten vermengt: bspw. im Vergleich „Mexiko vs. KI“, der auf eine surrealistische Konfiguration des Landes sowie auf literarische Strömungen wie den „realismo mágico“ rekurriert.
Hinzu kommen unter anderem auch die Probleme der Hardwareknappheit und der Preisanstiege im consumer market (RAM, NVMes), (unbewusste) Abhängigkeiten und Beeinflussung durch Techkonzerne sowie Ressourcenverschwendung und Umweltprobleme (Rechenzentren, Hardware und deren Betrieb), die durch Nutzung und Verbreitung dieser Technologien entstehen.
Für das Seminar erarbeiten wir zunächst den Wert von Text und Sprache, bevor dieser in der aktuellen spanischsprachigen Medienlandschaft und Ihrem möglichen Arbeitsumfeld positioniert und diskutiert wird. Dabei fokussieren wir interkulturell einen spanischsprachigen Sprach- und Kulturraum als Untersuchungsgegenstand und unseren unmittelbaren Alltag als Anwendungsbereich (Studium, Beruf und Schule). Zentrale Fragen sind dabei: Wie und zu welchen Bedingungen können wir generative KI sinnvoll und bewusst nutzen? Welche Themenbereiche und Ansätze ermöglicht diese Technologie in einem interkulturellen Kontext?
Die Bedingungen werden wie folgt spezifiziert:
- Ressourcenschonend (reduziert und selbst gehostet: „Ollama“)
- Unabhängig (Open Source, zugänglich)
- Formativ und iterativ (den Lese- und Schreibprozess fördernd)
- Interkulturell (zur Verortung und Vermittlung eines fremden Sprach- und Kulturraumes)
- Dozent/in: Hans Eduard Bouchard