
Vor Scham im Boden versinken wollen, aber trotzdem sich exponieren? Etwas lieber verschweigen wollen, aber dennoch davon erzählen? Wie erklärt sich die Ambivalenz bei manchen Ich-Erzählern, die ihr Leben - scheinbar schamlos - vor einem Lesepublikum ausbreiten und dabei von peinlichen, erniedrigenden oder unmoralischen Erlebnissen berichten, derer sie sich eigentlich schämen? Im Seminar wollen wir uns mit französischsprachigen autobiografischen, aber auch fiktionalen Bekenntnissen auseinandersetzen, um uns den Affekt der Scham genauer anzuschauen, wie er das Erzählen strukturiert, blockiert, aber auch motiviert.
Beginnen werden wir bei einem der berühmtesten Beispiele dieses Genres, den Confessions von Jean-Jacques Rousseau, enden werden wir bei Texten von Édouard Louis und Annie Ernaux aus dem sogenannten Genre der Autosoziobiographie, die sich als eine Weiterentwicklung des Bekenntnis-Genres verstehen lassen.
- Dozent/in: Cora Rok