Inwiefern hat das koloniale Subjekt Anteil an der französischen Theoriebildung? Wie wird französische Theorie geschrieben? Mit welchem postkolonialen Erbe geht sie um? Inwiefern haben die Kolonien an der Theorie mitgeschrieben? Welchen Anteil haben zum Beispiel namenlose kybelische Bauern in algerischen Umsiedlungslagern an der Theoriebildung bei Pierre Bourdieu (vgl. Onur Erdur, Schule des Südens. Die kolonialen Wurzeln der französischen Theorie, 2024)? Im Seminar beschäftigen wir uns mit dieser komplexen Verstrickung der französischen Theorie in die postkolonialen Zusammenhänge, um damit nicht nur nach dem Einfluss zu fragen, sondern eine umgekehrte Perspektive zu gewinnen. Was wäre Jacques Derridas Konzept des Monolinguismus ohne algerische Herkunft? Was Hélène Cixous’écriture ohne ihre algerische Kindheit? Und wie sieht das bei Roland Barthes aus? Im Seminar geben uns zudem in Gastvorträgen Maud Meyzaud (Lüneburg) und Ester von der Osten (Berlin) Einblick in ihre aktuellen Forschungsarbeiten und Publikationen zu diesem Thema.