„Literatur ohne Leser oder Zuhörer existiert nicht“, so der Autor Rafik Schami in einem Erzählband von 2011. Auch in der Literaturwissenschaft ist die Ansicht, literarische Texte vom Leser/Rezipienten her zu denken, nicht neu – obgleich autor- und textorientierte An­sätze traditionellerweise meist mehr Beachtung finden. Vor diesem Hintergrund möchte das Seminar einen Überblick über die literaturwissenschaftliche Lese- und Leserforschung geben sowie die verschiedenen Ansätze auf ihre ‚Praxistauglichkeit’ hin prüfen. Beginnen werden wir mit der Klärung grundlegender Begriffe (Leser, Rezeption, Wirkung, etc.), anschließend werden verschiedene theoretische und praxeologische Ansätze der Erforschung von Lesern und Lesen behandelt (Rezeptionsästhetik, Historische Rezeptionsanalyse bzw. Leser- und Lese­geschichte, Empirische Literaturwissenschaft, Reader-response criticism, ethnogra­phisch­-praxeologische Ansätze). Die letzten Sitzungen sind dafür vorbehalten, die zuvor an­ge­eig­­neten Theorien und Konzepte zu vertiefen und anhand verschiedener Praxisfelder zu diskutieren. Die Stu­dierenden kön­nen hierzu gerne eigene Vorschläge machen.