Platon führt seine Leser ins philosophische Denken ein und lässt sie nicht mehr heraus. Er inszeniert philosophische Gespräche – nicht zum Zwecke gehobener Unterhaltung, sondern zur Einübung kompromissloser intellektueller Redlichkeit. Philosophie im Sinne Platons ist Dialektik, Wissenschaft vom Gespräch, ἐπιστήμη διαλεκτική. Philosoph ist, wer im Sprechen auf sein Sprechen achtet, indem er fragt: Was setzen die gebrauchten Begriffe voraus? Was unterscheidet sie? Was teilen sie? Solche Obacht ist Grundvoraussetzung für jede Rede, die überzeugen können will. Objektiv zustimmungsfähig ist ein Sprechen nämlich nur dann, wenn es Mehrdeutigkeiten offenlegt, Widersprüche vermeidet, konsistent ist. Wer anders spricht, täuscht sich selbst und andere, wird zum „Sophisten“. Wir werden uns im Seminar intensiv mit dem gleichnamigen Dialog (Sophistes) befassen, aber auch Ausschnitte anderer Dialoge (z.B. Phaidros, Philebos, Parmenides) konsultieren. Wir fragen: Was tut ein Philosoph im Sinne Platons? Welchen Verfahren folgt er? Welchem Ethos genügt er?
Das Seminar ist ineins Einführung in das Denken Platons und ins Lesen klassischer Texte der Tradition.
- Dozent/in: Fabian Marx