
Die Gegenwartsdiagnosen der Soziologie zeichnen zunehmend das Bild einer aus den Fugen geratenen Moderne: Andreas Reckwitz beschreibt Verlusterfahrungen in Zeiten fortschreitender Singularisierung, Ulrich Beck deutete die „zweite Moderne“ bereits als Übergang in eine Phase reflexiver, selbstgefährdender Modernisierung. Multiple Krisen – ökologisch, sozial, politisch, ökonomisch – scheinen diese Diagnosen zu bestätigen und werfen die Frage auf, wie mit einer als brüchig wahrgenommenen gesellschaftlichen Ordnung umgegangen werden kann.
Das Seminar nimmt diese Diagnosen zum Ausgangspunkt, um nach Interventionsmöglichkeiten zu fragen: Lässt sich Gesellschaft „reparieren“, und wenn ja, mit welchen Mitteln und mit welchem Anspruch? Im Zentrum steht dabei das Konzept der Sozialen Innovation, das als vielversprechender Ansatz zur Bearbeitung gesellschaftlicher Problemlagen gilt. Wir erarbeiten dessen theoretische Grundlagen und prüfen kritisch, ob es tatsächlich transformatives Potenzial besitzt – oder bestehende Verhältnisse eher stabilisiert, als sie zu verändern.
In einem Praxisteil recherchieren die Studierenden in Kleingruppen konkrete Projekte sozialer Innovation vor Ort und analysieren diese anhand der im Seminar erarbeiteten Kriterien. Die Studien- und Prüfungsleistung besteht dabei aus einer Präsentation der Fallanalyse im Seminar sowie einer schriftlichen Dokumentation und Reflexion.
- Dozent/in: Franz Erhard