Dass die Philosophie ihre Geschichte hat, ist trivial, dass sie ihre Geschichte sei, ein Paradoxon. Wie kann eine Disziplin mit ihrer eigenen Vergangenheit identisch sein? Für gewöhnlich würden wir bestreiten, dass das möglich ist. Zur Geschichte der Physik etwa gehört auch das geozentrische Weltbild, zur Physik im modernen Sinne aber gehört es – aus sehr guten Gründen – nicht mehr. Warum sollte es in der Philosophie anders sein? Ist das Vergangene, jedenfalls manches Vergangene, nicht auch hier obsolet, also durch den aktuellen „Forschungsstand“ überholt? Georg Wilhelm Friedrich Hegel meinte: Nein. Seine Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie sind nichts anderes als der Versuch, zu zeigen: Das Studium der Philosophie ist nichts anderes als das Studium ihrer Geschichte. Im Seminar werden wir uns – durch Lektüre der Vorlesungen, vor allem ihrer langen Einleitung – mit dieser Identitätsthese befassen. Kann sie überzeugen? Auf welches (philosophische? historische?) Problem ist sie eine Antwort? Und was heißt hier eigentlich „Philosophie“?
- Dozent/in: Fabian Marx