Die Tugendethik bildet neben der Deontologie (Pflichtenethik) und dem Konsequentialismus eine der drei Hauptpositionen der normativen Ethik. Ihr Fokus liegt nicht auf Pflichten bzw. Regeln oder den Konsequenzen unseres Handelns, sondern auf dem (tugendhaften) Charakter. Genauer steht in ihrem Zentrum das Ausbilden bestimmter konstanter Charakterdispositionen, wie etwa Mut, Ehrlichkeit oder Wohltätigkeit. Moralisch gutes Handeln ist dementsprechend tugendhaftes Handeln.
Das Seminar nimmt seinen Ausgangspunkt bei den historischen Ursprüngen der Tugendethik in Aristoteles‘ Nikomachischer Ethik und seiner Frage nach dem guten Leben. Im Anschluss werden wir uns der Renaissance der Tugendethik im 20. Jahrhundert zuwenden, ausgehend von Elizabeth Anscombes einflussreichem Aufsatz „Die Moralphilosophie der Moderne“. Wir werden dann verschiedene tugendethische Positionen, etwa diejenigen von Rosalind Hursthouse, Philippa Foot oder Martha Nussbaum untersuchen und miteinander vergleichen. Dabei sollen zentrale Begrifflichkeiten wie „Tugend“, „praktische Weisheit“ oder „Glückseligkeit“ herausgearbeitet werden.
- Dozent/in: Larissa Berger