Der Klimawandel verändert weltweit die Lebensbedingungen und verschärft bestehende soziale, wirtschaftliche und politische Ungleichheiten, indem er insbesondere strukturell benachteiligte Bevölkerungsgruppen trifft. In diesem Zusammenhang sehen sich immer mehr Menschen gezwungen, innerhalb ihrer Landesgrenzen oder über internationale Grenzen hinweg – mehr oder weniger unfreiwillig – zu migrieren.

In diesem Kurs werden wir uns mit den unterschiedlichen Perspektiven befassen, aus denen der Zusammenhang zwischen Migration und Klimawandel analysiert werden kann. Einerseits widmen wir uns der Frage, wie Migration im Kontext des Klimawandels normativ zu bewerten ist und welche politischen, rechtlichen und moralischen Verpflichtungen sich daraus ergeben. Ist Klimamigration lediglich ein Migrationsgrund unter vielen, oder zwingt sie uns dazu, Migrationsgerechtigkeit grundlegend neu zu denken und auf anderen Prinzipien zu begründen? Ist die Institutionalisierung des Konzepts der „Klimaflüchtlinge“ ein geeignetes Mittel, um auf die spezifischen Herausforderungen von Menschen zu reagieren, die infolge von Klimakatastrophen vertrieben wurden? Haben jene Staaten, die am stärksten zur Umweltverschmutzung beitragen, eine besondere Verantwortung, Menschen aus pazifischen Inselstaaten aufzunehmen, deren Territorien durch den Anstieg des Meeresspiegels zu verschwinden drohen?

Andererseits setzen wir uns mit aktuellen politischen Diskursen auseinander, in denen Umwelt- und Klimaschutz mit migrationsfeindlichen Positionen verknüpft werden. Unter dem Schlagwort „Ecobordering“ instrumentalisieren nicht nur populistische und rechtsextreme Akteure, sondern auch einige vermeintliche „Väter“ der Umweltbewegung ökologische Argumente, um restriktive Grenzpolitiken zu legitimieren und Migration als ökologische Bedrohung darzustellen. Wie lässt sich diesen Argumentationen begegnen? Auf welchen Annahmen beruhen sie, und inwiefern stellen sie nicht nur eine Gefahr für den Schutz der Menschenrechte dar, sondern auch für einen wirksamen Kampf gegen den Klimawandel?