Im frühen 16. Jahrhundert erschütterten soziale Aufstände den Südwesten Deutschlands und die Gebiete des heutigen Thüringens und Sachsens, die später in dem Begriff des Deutschen Bauernkriegs gebündelt wurden. Die Lehrveranstaltung beleuchtet das spannungsreiche Verhältnis der „Revolution des Gemeinen Mannes“ (Peter Blickle) mit der aufkommenden reformatorischen Bewegung. Einerseits begründen die Aufständischen ihre Forderungen nach Teilhabe und der Aufhebung der Leibeigenschaft mit religiösen Argumenten und griffen dabei auf frühreformatorisches Gedankengut zurück. Andererseits markierten die bäuerliche Revolte und ihre gewaltsame Niederschlagung eine Zäsur in der Geschichte der Reformation und legten den Grundstein für das Verhältnis der späteren protestantischen Kirchen zur weltlichen Obrigkeit. In der Lehrveranstaltung zu Wort kommen so unterschiedliche Reformatoren wie Martin Luther, Thomas Müntzer, Philipp Melanchthon und Huldrych Zwingli. Behandelt wird auch die Rezeptionsgeschichte: insbesondere die Deutungsschlacht um das historische Erbe von Martin Luther und Thomas Müntzer in den beiden deutschen Teilstaaten sowie die literarische Bearbeitung der Zeit in dem italienischen Reformationsroman Q.
Vorbehaltlich weiterer Klärungen ist als Teil der Lehrveranstaltung für den 23. bis 25. Mai eine Wochenendexkursion nach Mühlhausen (u.a. Besuch des Stadtarchivs und der Thüringer Landesausstellung freiheyt 1525. 500 Jahre Bauernkrieg) sowie und Bad Frankenhausen (Bauernkrieg Panorama auf dem Schlachtberg) geplant.
- Dozent/in: Hansjörg Buss